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Période coloniale

Naturreligion bei Goethe und den Afrikanern (Colloque international sur Goethe)

AHADJI Amétépé Yawovi
(Etudes Germaniques)


In Patrimoines n°9, Lomé 2000, pp. 43-56.

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II. Natur und Naturreligion beim Afrikaner.

Wenn man von der Naturreligion des Afrikaners redet, muß man vom ganzen afrikanischen Leben sprechen, von dem politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben, denn die Religion bestimmt sein Wesen und prägt seine ganze Denkweise. Zahlreich sind die Religionen innerhalb eines afrikanischen Landes und auf dem ganzen Schwarzen Kontinent, wobei auffallende Unterschiede selbstverständlich sind. Deshalb beschränken wir uns in der vorliegenden Betrachtung auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Naturreligion bei Goethe und den Afrikanern. Außerdem wird Bezug nur auf Afrika südlich der Sahara genommen, und die meisten Beispiele stammen aus den Naturreligionen Togos, unseres Heimatlandes.

1. Die Naturreligion des Afrikaners

Alle Naturreligionen Afrikas erkennen grundsätzlich die Existenz einer überlegenen, übermenschlichen, unsichtbaren und transzendentalen Macht an, die alle sichtbaren und unsichtbaren Wesen geschaffen hat. Jeder Volksteil oder jede ethnische Gruppe auf dem Schwarzen Kontinent bezeichnet sie mit bestimmten Vokabeln. Bei den Bambara heisst sie Maa Nala, die Hirtenvölker (Les Peuhls) nennen sie Dunndari und die Mossi (im heutigen Burkina Faso) bezeichnen sie als Wunnan. In Togo nennen sie die Ewe (die Bewohner des südlichen Teils des Landes) Mawu, d. h. ein Wesen, das mit nichts zu vergleichen ist. Diese Macht steht über allen Kreaturen, denen sie Nährmittel auf der Erde schenkt. Diese Natur-Gott garantiert den Menschen ihr Leben und stellt ein soziales Gleichgewicht her (vgl. C. Rivière, 1971 : 19)

Bei vielen Ewe scheint sich die Gottesvorstellung am sichtbaren Himmel gebildet zu haben, denn wo Himmel [6] ist, da ist Gott.

Die Grenzenlosigkeit und lichte Gestalt des Himmels hat ein bestimmtes Bild von Gott in ihrem Innern erzeugt. Die über den Himmel sich ergießende Lichtfülle ist das Öl, mit dem Gott seinen Riesenleib salbt ; das Blau der Himmelsfarbe ist der Schleier, mit dem er sein Angesicht verdeckt, und die verschiedenartigen Wolkenbildungen sind das Kleid und der Schmuck, die Gott zu bestimmten Zeiten anlegt. (vgl. J. Spieth, 1911 : 67 ; vgl. auch C. Rivière, 1971 :).

Aber Gott, den die Menschen weit in den Himmel durch ihr Verhalten verjagt haben [7], ist ständig auf der Erde zu spüren und bildet mit ihr eine Ganzheit. Zwischen beiden besteht eine Interdependenz. Da Gott Synomym von Leben ist, ist die sichtbare und unsichtbare Welt von seinem Geist geprägt. Der Mensch bleibt im Kern der ganzen Schöpfung, enthält einen Funken Gottes. Mit diesem göttlichen Funk soll er sich selbst, dann die Tiere und die Dinge zum Zweck der Bewahrung des allgemeinen Gleichgewichts verwalten (vgl. A.Hampaté Ba, 1972 : 86). Aber die Verwaltung der Welt, insbesondere der unsichtbaren Welt, geschieht über einige Vermittler : die Vodu, Götter zweiten Ranges, die Mawu unterstellt sind. Die Vodu haben in erster Linie eine Integrationsfunktion in der Sippe, in der Familie und in der Dorfgemeinschaft. Wenn jedes Mitglied an Festen und Initiationsriten der Gemeinschaft teilnimmt, wenn es die spezifischen Verbote der Vodu beachtet, dann wird die geistige Kette der Gemeinschaft verstärkt, in der die Vodu als wirkliche Wegweiser fungieren, indem sie den einen die Fruchtbarkeit, den anderen Reichtum und Gesundheit schenken. Wie der Erzbischof von Cotonou, Robert Sastre, sagte,


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[6] Als der Missionar Wolf der norddeutschen Missionsgesellschaft 1847 in Peki (Eweland) seine Tätigkeit aufnehmen sollte, da nannte man ihm als den einzigen dort bekannten Gottesnamen Dzingbe, d.h. der Himmel. Wolf führte diesen Namen in die alte Ewe-Literatur ein. Erst später wurde der Name Mawu durch Missionar Schlegel in die Literatur eingeführt. Vgl., J. Spieth, 1911 : 5)

[7] Nach einer Mythologie der Ewe ließ Gott einst die Menschen ungehindert mit ihm verkehren, dann aber zog er sich durch ihre Schuld in die unendliche Ferne zurück. Einst war der Himmel der Erde so nah, daß die Frauen mit ihrem Stampfer gegen ihn stoßen, die Erdbewohner nach dem Essen ihre schmutzigen Hände auf ihm putzen oder sogar ein Stück vom Himmel abschneiden und es als ihre Speise kochen konnten. (Vgl. J. Spieth, 1906 : 67)


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