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Période coloniale

Naturreligion bei Goethe und den Afrikanern (Colloque international sur Goethe)

AHADJI Amétépé Yawovi
(Etudes Germaniques)


In Patrimoines n°9, Lomé 2000, pp. 43-56.

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Wie ersichtlich ist, stand die Religiosität oder Nicht-Religiosität Goethes im Mittelpunkt eines langen Streits, der von Gegnern und Freunden ausgetragen wurde. Wenn Goethe selbst eindeutig sagt,

die Menschen sind nur solange (in Kunst und Dichtung) produktiv, als sie religiös sind und der Aberglaube (im weitesten Sinne) ist der Eigensinn schwacher, kleingesinnter, zurückschreitender, auf sich beschränkter Menschenlehre. (vgl. F. J. Rintelen, 1968 : 36),

dann kann die Religiosität Goethes nicht einfach verleugnet werden. Aber man darf auch nicht vergessen, daß der junge Goethe in den Frankfurter Jahren längere Zeit im Banne des philosophischen Materialismus der französischen Aufklärung gestanden hat. Voltaire, Rousseau, die Enzyklopädisten, Diderot und Holbach mit seinem „système de la nature“ haben Goethe beeinflußt. Eckermann erklärte er am 3. Januar 1830 :

Es geht aus meiner Biographie nicht deutlich hervor, was diese Männer für Einfluß auf meine Jugend gehabt, und was mich gekostet, mich gegen sie zu wehren und mich auf eigene Füsse in ein wahres Verhältnis zur Natur zu stellen. (vgl. A. B. Wachsmuth, 1967 : 273)

Auf jeden Fall löste Goethes Stellungnahme eine heftige Kritik bei den linken und rechten Schriftstellern aus. In manchen christlichen Kreisen wurde er als Luzifer bezeichnet, zumal er selbst sich einen „dezidierten Nichtchristen“ oder sogar als einen „Heiden“ genannt hat (vgl. K. H. Weger, 1979 : 130). Für die christliche Orthodoxie war dieses Antibekenntnis Goethes eine Provokation, sie zögerte nicht, ihn als einen Atheisten zu bezeichnen. Die Position eines Jakobi als spekulativen Denkers und Metaphysikers ließ sich nicht vergleichen mit der von Goethe als anschauendem Naturforscher und ethisch-ästhetischem Mathematiker (vgl. Goethes Gedichte 1965-67, Bd.4, S. 208). Der Pantheismus- und Atheismusstreit spitzte sich zu mit den Vorlesungen von Friedrich Schlegel über Geschichte der alten und neuren Literatur [5] im Jahre 1812, in denen er eine christliche Philosophie forderte und direkte Anspielungen auf Goethe machte. Auch Wolfgang Menzel sagte 1828 in seiner Literaturgeschichte klar, wie die Religiosität Goethes zu verstehen war :

Von Religion kann in Goethes Dichtungen nie die Rede sein. Goethe ist ein „Chamäleon“, ein charakterloser Mensch, ein Schauspieler in beständigem Rollenwechsel, der nur in Rollen posiert, der unter “glatter Maske“ seinen raffinierten Epikurismus, seine Sinnlichkeit und Genußsucht verbirgt. (A. Wachsmuth, 1967 : 276)

Laut Menzel wird die Kunst von Goethe mißbraucht, der sie in der modernen Welt des herrschenden Materialismus mit feinen Mitteln darstellt. So wird Goethes Naturreligion mit dem französischen Materialismus der Aufklärungszeit und Goethe mit Voltaire verglichen. Goethe selbst vermied es, auf die dogmatischen Kontroversen der verschiedenen Konfessionen einzugehen. Er hielt sich auf Distanz zu christlichen Interpretationen, denn trotz des Einflusses Spinozas, Lessings oder Herders, trotz der Auseinandersetzung mit Lavater (vgl. M. Lackmann, 1984 : 50ff) war Goethe bestrebt, „seine eigene Religion„ herauszubilden, die zwar mit dem Christentum in manchen Punkten verwandt ist, aber Goethes religiöse Konzeption ging weit über eine rein abendländische hinaus.

Die Tatsache, daß die deutschen Schriftsteller über den Inhalt des materialistischen Pantheismus oder des Spinozismus geteilter Meinung sind, kann in europäischem Kontext verstanden werden. Bis in das 18. Jahrhundert konnte man nicht von Spinoza in allen Kreisen sprechen. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde er rehabilitiert. Nach afrikanischen naturreligiösen Vorstellungen könnten solche Streite nicht stattfinden ; ein Bekehrungseifer oder ein Religionskrieg wären nicht nötig, die Naturreligion läßt sich nicht in der Form einer Doktrin erklären, sie wird einfach erlebt, wie sie von der Natur angeboten ist.


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[5] Die 16. Vorlesung über „die neudeutsche religiös-patriotische Kunst“enthielt die Kritk an Goethe. (Vgl. A B. Wachsmuth, 1967 : 273)


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Dernière mise à jour du site : 28 septembre 2007
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