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Période coloniale

Naturreligion bei Goethe und den Afrikanern (Colloque international sur Goethe)

AHADJI Amétépé Yawovi
(Etudes Germaniques)


In Patrimoines n°9, Lomé 2000, pp. 43-56.

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Goethe hatte sich in seinem langen Leben für alte Kulturen aus Ägypten, Persien, Indien, China usw. interessiert. 1823 gestand er Eckermann, der aus Kleinasien aus dem 4. Jahrhundert stammende Sekte der Hypsistarier beigetreten zu sein (vgl. G. Bohnenblust, 1926 : 21). Goethe war Mitglied der freimaurerischen Loge „Amalia zu den drei Rosen“ zu Weimar seit 1880, zeigte Interesse für das Rosenkreuz, die Kaballah. Nirgendwo wurde aber erwähnt, daß Goethe auf die afrikanischen Kulturen und Religionen Bezug genommen hat. Trotzdem kann man behaupten, daß Goethes Anschauung des Göttlichen, sein Verhalten dem Unsichtbaren gegenüber, seine Verehrung des Übernatürlichen und des Allerhöchsten und letzlich seine ständige Begegnung mit einer dynamischen Gotteskraft in der Natur ihn direkt nach Afrika führen. Der Pantheismus bei Goethe war nichts anderes als das, was die Europäer den Animismus der Afrikaner nennen.

Ein zweiter Gedanke, der Goethe und den Afrikanern gemeinsam ist, ist die Erkennung der menschlichen Grenzen vor den Naturgeheimnissen. Das „Erkenne dich selbst ist bei Goethe ein religiöses und wissenschaftliches Verhalten, nach dem der Zugang zur realen Erkenntnis die Summe des Wissenschaftlichen und des Göttlichen ist, wie die Ägypter beim Bau der Pyramiden bewiesen haben. Im Abendland nimmt man die Entwicklung der modernen Wissenschaft zum Anlaß, die Naturreligionen als Synomym für wissenschaftlichen Rückstand zu bezeichnen. Hören wir das, was Goethe dazu sagte :

Es gibt in der Natur ein Zugängliches und ein Unzugängliches. Dieses unterscheide und bedenke man wohl und habe Respekt... Wer es aber nicht weiß, quält sich vielleicht lebenslänglich am Unzugänglichen ab, ohne je der Wahrheit nahe zu kommen. Wer es aber weiß und klug ist, wird sich am Zugänglichen halten, und indem er sich in dieser Region nach allen Seiten geht und sich befestigt, wird er sogar auf diesem Weg dem Unzugänglichen etwas abgewinnen können... (vgl. W. Loew, 1924 : 77)

Hier zeigt Goethe noch einmal seine mystische Natur und seine Seelengröße, die mit der afrikanischen Weisheit zu vergleichen ist. Die Naturgeheimnisse offenbaren sich selbst, es lohnt sich nicht, sie mit Gewalt entdecken zu wollen. Schließlich kann man das Beispiel Wilhelms in den „Wanderjahren“ anführen, der im Riesenschloß das verschlossene Kästchen und den versteckten Schlüssel suchte, der das Christusmonogramm und die pythagoreischen Zahlen-und Formsymbole magnetisch zusammenhält (vgl. R. Kelsch, 1991 : 28). Wie die afrikanischen Esoteriten, die mit der Magie des Wortes die Geheimnisse der Natur ein- bzw enthüllen wollen, so hat Goethe mit der Zeit gelernt, der Natur zuzuhören und deren Sprache zu verstehen und zu vermitteln, denn „in der Natur ist alles, was im Subjekt ist, und im Subjekt ist alles, was in der Natur ist“(vgl. Löew, 1924 : 61).


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